P.O.S. – We don’t even live here
“They on some nonsense – we on some nonstop…”
Mit einem schweren Drumbreak rollt das mittlerweile dritte Album des musikalischen Chamäleons P.O.S. aus Minneapolis in die ersten Takte. Der u.a. in mehreren lokal verwurzelten Punkbands spielende und singende Stefon Alexander bringt mit “We don’t even live here” ein Rap/Punk/Electro-Album, das sich so nicht direkt in eine Schublade pressen lässt.
Eins vorweg: So schlimm dieser Genre-Mix klingen mag, so spannend klingt das in echt, was größtenteils den Produktionen von Lazerbeak zu verdanken ist, der wie P.O.S. einen Teil der Doomtree-Crew bildet. Auf der ersten Single “Fuck your Stuff” kann man sich selbst davon überzeugen: Ein Brett von einem Dirty-South Beat, der von kreischenden Gitarren, zuckenden Organs, 808-Snares und natürlich P.O.S. selbst zerlegt wird:
Looking out the window like Malcolm
Just when I thought this culture was open they go and doubt him
Fuck, dumbing it down, spit ice, skip jewelry
Molotow cocktails on me like accessories
(Fuck your stuff)
Die unpeinlich politisch, oder eher anarchistischen Lyrics gehen runter wie Butter und sind durchweg fresh und mit ordentlich Wut eingerappt. Seine Zeilen sind voll von Frust, Bombenbau-anleitungen und dem alltäglichen Trott der unteren 10 Prozent der Gesellschaft. Wenn man P.O.S. einmal genauer Gehör schenkt wie er Nordamerika den Spiegel fühlt man sich durchaus bestätigt. Man verzeiht ihm dann auch das Auto-Getune auf “Where we land”. Dafür wird man in den folgenden Tracks belohnt: “They can’t come” lebt von einem simplen Piano-Sample und dreckverschmierten Drums. Der Punk- und Elektroanteil hält sich auf 80% des Albums (zum Glück) recht weit zurück; allein auf der zweiten Single “Get Down” wird zu einem staubtrockenen Synth-Banger der wohl in jedem Club funktionieren dürfte das Vergessenlassen durchs Feiern zelebriert. “I don’t wanna think about it, i just wanna get down…until we come up”. Der Titeltune “We don’t live here” lässt einen immer noch vor Kraft strotzenden P.O.S. zu Hochform aufwachsen und so macht er einen recht hektischen 4-to-the-Floor Break zu Staub und Asche.
Auch wenn mir die sog. “Elektro”-Elemente der Songs nicht immer leicht runter gehen und das Album daher auch nicht immer aus einem Guß klingen mag, sollte man “We don’t even live here” nicht unterschätzen. Für Rapfans ein Must-hear, da in jedem Track mehr Seele und Inhalt steckt als in jedem üblichen Release der letzten 2 Jahre. Ein wichtiges Album, das eine ganz andere Seite der HipHop-Kultur zeigt sowie eine glaubhafte Brücke zu anderen Genres schlägt. Gut, dass der Junge P.O.S. jetzt bei Rhymesayers untergekommen ist. Man wird in Zukunft sicher noch auf dieses Album zurückschauen.
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Starkes Album, nach mehrmalhigem Hören!
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